Wert, Selbstwert und Buchpreis

Du hast es geschafft. Das letzte Wort ist korrigiert und Buchsatz, Klappentext und Cover sind fertig. Dann ab an die Öffentlichkeit mit deinem Werk, oder? Stehst du auch regelmäßig vor der Frage, welcher Preis für dein Buch denn angemessen ist? Und bist du bei den eBooks auch eher so gestrickt, dass du zu günstig anbietest?

Wert

Um den Wert eines Buches festzulegen, muss man mehrere Aspekte berücksichtigen. Nicht nur die Dauer, wie lange du daran geschrieben hast, spielt eine Rolle. Wie ist der Informationsgehalt zu werten? Der berühmte Text mit Mehrwert für den Leser. Aber mal ehrlich, geht da noch viel? Ist nicht über alles schon hundert Mal geschrieben worden? Kennste ein Buch kennste alle?

Ich sehe es so, dass der Wert des Textes sich daran misst, wie aufwendig die Recherche für mich war, um ihn überhaupt schreiben zu können. Mir geht ein Roman oder eine Kurzgeschichte schneller von der Tastatur als ein Sachbuch. Obwohl ich bei meinem Jainhorn  auch gar nicht so viel recherchieren musste, weil ich beruflich bereits in der Thematik steckte, denke ich, dass Leser:innen die Probleme damit haben, sich zu entscheiden, dem Inhalt des Buches mehr Wert zugestehen, als meinem unterhaltsamen Roman Milly con Carne, mit dem sich gut die Zeit totschlagen lässt. Mir ging das Schreiben von Milly total easy von der Hand. Es war keine Arbeit, sondern reiner Spaß. Bis aufs Überarbeiten und so… Das Jainhorn hingegen sollte zwar locker flockig klingen, aber den Ernst des Themas darlegen. Mit Formulierungen habe ich da viel  mehr herumjongliert, als bei Milly, die ich im wahrsten Sinne des Wortes Freischnauze geschrieben habe. Das schlägt sich bei  mir in der Buchpreisfindung wieder.

Buchpreis

Habe ich Kosten, die ich vorstrecke, um das Buch veröffentlichen zu können? Korrektur, Cover, Lektor und ggf. Testleser kosten Geld. Beim Selfpublishing kann ich natürlich einen Anbieter wählen, bei dem ich keine Vorkosten habe, muss dann aber auch davon ausgehen, dass ich keine Marketingunterstützung bekomme. Ich bin in der glücklichen Lage, total fit am Computer zu sein, zu wissen, wo ich Grafiken bekommen kann, die ich verwenden darf und kann ein Cover selbst erstellen. Beim Jainhorn jedoch habe ich Therese Spöcker engagiert. Das wurde beim Buchpreis natürlich berücksichtigt.

Ich versuche bei der Buchpreisfindung immer danach zu gehen, was ich selbst für einen angemessenen Preis halten würde. Bei den Taschenbuchausgaben der Anthologien sind wir lange über 10 Euro gewesen, weil die Kosten für Belegexemplare und Versand derselben wieder rein kommen sollten. Inzwischen verzichten wir auf Autorenvorzugspreise und sind meist unter 10 Euro beim Taschenbuch. Allerdings gibt uns Epubli einen Mindestverkaufspreis vor, den wir natürlich nicht unterbieten können. Außerdem lassen wir die Belegexemplare woanders drucken. Das mache ich auch mit meinen eigenen Rezensionsexemplaren inzwischen so.

Besonderes Thema – der eBook-Preis

Hier habe ich gerade kürzlich eine interessante Diskussion auf Twitter dazu geführt.

Nun bin ich natürlich durch die Printausgaben auch auf die Druckpreise orientiert, die bei einer digitalen Ausgabe wegfallen. Ich denke, dass ich das gerne an die Endverbraucher:innen die Umwelt und Ressourcen schonen, weitergeben möchte. Wenn ich also Druckkosten von 7 Euro habe, das Taschenbuch für 9,99 anbiete, veranschlage ich einen eBook Preis in Höhe von 2,99 Euro. Nicht immer passt das natürlich so Cent genau, darauf kommt es aber auch gar nicht an. Mir geht es da ums Prinzip.

Inhaltlich verändert sich der Wert des Buches ja nicht. Honorartechnisch bringt mir ein eBook ohnehin mehr wie eine Printausgabe, auch bei meinem Preisprinzip. Warum sollte ich also eBook Leser „abzocken?“. Der einzige Grund, dass ich es teurer mache als die Differenz zwischen Druckkosten und Preis fürs Taschenbuch ist der, dass ich Vorkosten fürs Cover oder Lektorat hatte.

Nun sind wir hier natürlich bei den eBooks für 99 Cent gewesen und es wurde sicher zu Recht gefragt, wie Autor:innen zu so einem Angebot kommen. Ich kann es mir nicht anders erklären, als dass es am Selbstwertgefühl liegt. Aber dazu später mehr. Denn ich kann hier noch aus dem Nähkästchen plaudern. Vor einiger Zeit hatte ich einen Schreibauftrag für einen Fantasyroman. Eine junge Frau hatte die Grundidee, die Figuren entwickelt und ich hab ihr einen Kurzroman mit ca. 20/25 Tsd. Wörtern geschrieben. Sie bietet ihn als eBook für 0,99 $ an (ja Dollar, warum auch immer es im deutschen Amazon nicht zu finden ist, keine Ahnung?). Um allein die Kosten reinzukriegen, die sie durch mich als Ghostwriterin hatte, muss sie ziemlich viele Bücher verkaufen. Und da frage ich mich: Wie macht sie das?

Vielleicht mögt ihr zu dem Thema diskutieren? Die Kommentare sind offen.

Selbstwert

Nun noch etwas zum Thema Selbstwert. Schreiben ist ein Talent. Es so zu können, dass andere gern lesen, was wir schreiben, ist eine Gabe, um die uns viele Leser:innen beneiden werden. Selbst wenn wir keine Bestseller Autor:innen sind und werden. Jede Bestätigung, dass unsere Bücher die Lebenszeit von anderen Menschen bereichert hat, sollte uns doch zeigen, dass wir unser Talent wertschätzen sollen. Das sollte sich in den Buchpreisen ausdrücken und vor allem in den eBook Preisen. Wir dürfen es uns wert sein, für unsere Arbeit, die geistiges Gut ist und unsere Lebenszeit gekostet hat, einen Preis zu verlangen, der unseren Selbstwert wiederspiegelt.

Nun gibt es natürlich auch gerade beim Selbstwertgefühl zwei Lager, die die zu wenig davon haben und die, deren Selbstwertgefühl an Arroganz grenzt. Letztere werden sicher in der Buchpreisfindung keine Beratung brauchen, erstere hingegen sollten sich trauen, ihre Preise besser zu gestalten. eBooks können auch temporär im Preis gesenkt werden. Wir machen das mit den Anthologien regelmäßig zu bestimmten Anlässen. Außerdem können Preise auch dauerhaft gesenkt werden, was wir inzwischen ebenfalls getan haben bei den Anthos die bis 11/2020 erschienen sind.

Ein Kommentar

  1. 0

    Liebe Carola,
    den Preis eines Buches an seinem Wert und vor allem am Selbstwert des Autors festzumachen, ist eine gute Idee. Gerechtfertigt ist sie allemal, aber wohl nicht der einzige Maßstab. Auch wenn manche Schreibratgeber dem literarischen Neuling fürs eBook einen Preis von 99 Eurocent ans Herz legen, ist das unter Wert verkauft. Meistens, denn der Preis hängt auch vom Genre und vom Umfang ab. Aber ein Buch hat seinen Markt oder bemüht sich, ihn zu finden. Und so gibt es in der Flut der Bücher – Print oder eBook – einen Marktpreis, den es auszuloten gilt. Die Anthologien der Textgemeinschaft für 10 Euro (Print) und 2,99 € (eBook) sind für mich eine gute Orientierung. „Verzockt“ hatte ich mich beim Preis meiner Bücher auch schon, und es ist bei der Druckausgabe fast unmöglich, das zu korrigieren. Auch daraus habe ich für die Zukunft gelernt. Danke für den Artikel!
    Michael Kothe

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